BLOG

Wie eröffne ich ein Bordell?

von Johanna Weber

Die Kunst ein Betriebskonzept zu schreiben

wie drei Damen einen Mann zu ihrem Lustobjekt machen

Überall liest man ja, dass man als Bordellbetreiber*in Geld ohne Ende verdient. Es malt sich das Bild vom goldkettchentragenden Porschefahrer, der nur zum Kassieren täglich in „seinen Laden“ kommt.
Nun, es mag noch einige Dinosaurier dieser Art geben, aber die wenigen, die es überhaupt von dieser Spezies gegeben hat, sterben definitiv aus.
Wer heutzutage eine sogenannte Prostitutionsstätte eröffnen will, tut gut daran, dieses Business nach gewissen betriebswirtschaftlichen Kriterien zu führen. Die Zeiten sind vorbei, wo solche Etablissements als Lizenz zum Gelddrucken galten. Heute muss sehr gut kalkuliert werden, wie in den meisten anderen Gewerben auch.

Im Bereich der Prostitution kommt aber erschwerend hinzu, dass es sehr kompliziert ist geeignete Räume zu finden. Welcher Vermieter hat schon gerne einen „Puff“ in seinem Haus. Selbst wenn der Vermieter oder die Vermieterin selber gar kein Problem damit haben, fürchten viele dass die anderen Mieter von Mietminderung Gebrauch machen oder sich dauernd beschweren oder er könnte ja jemand was denken...

Dann kommt noch das neue Gesetz (ProstSchG) hinzu, welches mehr oder weniger sinnvolle Auflagen für Prostitutionsstätten vorschreibt. Leider ist es noch sehr diffus, welche Voraussetzungen zu erfüllen sind, und für jedes Bundesland oder sogar Stadt anders. Die Behörden selber wissen auch noch nicht so genau, wie das denn sein soll, erwarten aber, dass Betreibende die wie auch immer passenden Unterlagen einreichen.
Wie muss denn ein Betriebskonzept aussehen, damit die jeweilige Behörde das akzeptiert? Wo stecken da die Fallen? Die eine Behörde sagt dann JA, aber die andere kommt dann auf die Idee mit der Scheinselbstständigkeit oder mangelndes Sicherheitskonzept oder, oder, oder… Ich will hier nicht in Selbstmitleid unserer Branche gegenüber zerfließen, denn andere Gewerbe haben auch Auflagen zu erfüllen. Der Unterschied ist, dass dort die Bedingungen klarer sind, und man zum Beispiel für eine Gaststättenlizenz sich an den geforderten Kriterien entlanghangeln kann. Ja, da sind sicher auch „schwachsinnige“ Punkte dabei, aber es gibt zumindest eine Grundlage. Das ist bei den Prostutionsstätten noch komplett anders. Ja, es gibt einen groben Rahmen, der von der Bundesregierung vorgegeben wurde und von den einzelnen Bundesländern individuell verfeinert wurde oder eben auch nicht. In einigen Bundesländern ist noch nicht mal die Zuständigkeit geklärt.

Schwierig finde ich das Betriebskonzept, was eingereicht werden muss. Wie schon gesagt, gibt es in kaum einen Bundesland eine Vorgabe, wie das anzufertigen ist und was drin stehen soll. Im Grunde ist so was kein Hexenwerk, aber Menschen, die seit 20 Jahren oder länger in der Sexarbeit tätig sind, sind es üblicherweise nicht gewohnt Betriebskonzepte zu schreiben. Ich habe da schon ganz illustre Zusammenstellungen gelesen von Betreiber-Kolleg*innen. Ein wirklich sehr engagierter Inhaber schrieb, dass er die Prostituierten-Ausweise seiner „Damen“ einsammelt und im Save aufbewahrt, damit sie diese nicht vergessen und bei Kontrollen nicht so doof dastehen. Au weia…. Eine ältere Betreiberin schrieb, dass sie als besonderen Service und guten Zuverdienst für ihre Damen nun auch Gang-Bang-Partys anbietet. Sie wußte nicht, dass die verboten sind und war nur auf die Idee gekommen, weil ihre Damen das vorschlugen, und ihre Umsätze zu erhöhen.

Ich selber habe nun in so vielen Bundesländern schon Beamte geschult, die das ProstSchG umsetzen sollen, dass ich verstehen kann, wie die denken und was sie brauchen, um eine Genehmigung zu erteilen. Auch habe ich viele Vorschläge gemacht, wie das Umgehen mit den Betriebsstätten vereinfacht werden kann und die Arbeitsbedingungen sich nicht verschlechtern durch das neue Gesetz, sondern verbessern.
Gerne möchte ich anderen Betreibenden helfen, dass sie ihr Gewerbe weiter führen können oder neu eröffnen können. Und so bin ich mit meiner Kollegin Velvet Steel auf die Idee gekommen, dass wir einen Kursus anbieten, der angehende Betreibende fit macht.

Mir persönlich ist dabei besonders wichtig, Kolleginnen Mut zu machen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Wir Sexarbeitenden sollten uns selber gute Arbeitsplätze schaffen.

Velvet und ich habe mit dem Studio LUX in Berlin einen Ort geschaffen an dem selbstständige Sexarbeit egal welcher Art möglich ist. Wir haben in den letzten 4 Jahren viel gelernt und auch viel an unserem eigenen Konzept wieder geändert. Manche Dinge klappen eben in der Praxis nicht so gut. Viel haben wir auch von den Kolleginnen und Kollegen gelernt, die bei uns arbeiten.
Dies alles wollen wir weiter geben.
Es soll in dem Kurs also nicht nur um Behörden- und Rechtsdinge gehen, sondern auch um faire Gestaltung von Arbeitsplätzen und um die Frage, wie man denn überhaupt „Personal“ findet. Beim Wort „Personal“ ist man ja schnell beim Thema Scheinselbstständigkeit, und genau darum geht es auch in dem Kurs sehr viel. Wie motiviere ich meine Mietenden, dass sie selber Werbung für ihre Dienstleistungen machen und selber ihre Termine planen? Welche Konzepte sind dabei möglich?

Wir wollen in unserem Kurs zeigen, dass Gewinnorientierung und gute Arbeitsbedingungen sehr wohl oder unter einen Hut zu bringen sind

_______________________________________

Autorin: Johanna Weber

Link zum Kurs Betriebsgründung

Zurück