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Stimme – Stimmung – Stimmungsvoll

von Mademoiselle Ruby

Es ist viel mehr als Dirty Talking

„Sie haben aber eine schöne Stimme!“, sagen Gäste zu mir in einem Telefonat. Anfangs dachte ich, naja, das werden Sie wohl immer sagen, oder? Dann häuften sich dieses Aussagen auch in Sessions oder in Vorgesprächen, so dass ich irgendwann dachte, oha, das scheint nicht ganz zufällig zu sein.

Meine Stimme ist ein Instrument für mich und für Dich, genauso wie meine Hände, meine Füße, meine Haut, mein Geruch. Sie hat als Werkzeug eine große Bandbreite, ich kann sie bewusst warm und weich färben oder ihr ein hartes Klirren geben. In Kombination mit der Ausstrahlung meines sonstigen Auftretens kann das irritierend oder verführerisch wirken. Meine Stimme kann Dich sanft berühren, während meine Hand Dich kräftig schlägt, oder meine Nägel sich unnachgiebig in Dein weiches Fleisch krallen.

Um besser zu verstehen, wie genau Deine Fantasie gestrickt ist, kann mir helfen, Deine Worte mit meiner Stimme laut auszusprechen, um besser in Resonanz und in Rapport mit Dir zu kommen. Dabei beobachte ich genau Deine Reaktion. Manchmal ist es das Wort an sich, das durch eine Fetischisierung sehr stark mit Bedeutung aufgeladen wird, oftmals ist es, als ob die Session an dieser Stelle beginnt, an der ich Deine Sprache benutze und damit zwischen uns beiden eine kleine Parallelwelt eröffne.

Es ist nicht nur die stimmhafte Sprache, sondern es sind auch Geräusche, die ich mache, die eine Wirkung auf den Gast haben. Dabei stelle ich fest, dass die „echten“ Geräusche, die eher im Körper (als Bauchstimme) entstehen, oftmals effektiver sind als die Geräusche, die in der Kopfstimme oder hoch oben im Hals erzeugt werden. Man kann die Stimme dann auch durch den Körper fließen lassen. Ein Beispiel, in der Vergangenheit habe ich auch in Clubs gearbeitet, wo viel und gern und öffentlich Verkehr geschah. Die schrillen Lustschreie waren dabei eher störend und wirkten kantig, so wie auswendig gelernt. War etwas wirklich lustvoll, lag die Stimme mehrere Oktaven tiefer. In der Sprecherziehung oder beim Gesangsunterricht wird auch gelehrt, dass die Stimme, die wir normalerweise zum Sprechen verwenden, eine andere Stimmlage ist als unsere eigentliche Stimme. Stimmen sind zivilisatorisch unterschiedlich erlernt, wer einmal in UK Frauen einer bestimmten sozialen Schicht zugehört hat, weiß, dass dort höher gesprochen wird und die Satzmelodie mit deutlich mehr Aufs und Abs gesprochen wird. Für mich hat es einen deutlichen Einfluss auf mein Alter Ego, wenn die Sessionsprache Englisch oder gar Spanisch ist. Meine Stimmlage ist dann eine andere. Meine Stimmung ist anders, ich bin auf Englisch deutlich eher zu emotionalen Äußerungen bereit als auf Spanisch oder gar Deutsch. Dafür ist meine Sprache auf Deutsch viel rationaler und reduzierter. Auf Spanisch ist sie tiefer und erdiger.

Es ist ein Werkzeug für mich, meine Stimme unterschiedlich zu nutzen. Manchmal spreche ich in einer dominanten Session 1–2 Oktaven tiefer und deutlich mehr in Resonanz mit meinem Bauch und Unterleib. Bei den wenigen passiven Sessions, die ich für ausgewählte Gäste anbiete, ist es anders. Da lote ich gern auch die Höhen und die aspirierten Stimmlagen (Vokale mit Atem) aus.

Gefällt mir ein Wort oder eine Stimme gut, probiere ich für mich aus, wie es sich anfühlt so zu sprechen. Manchmal bringt mich das auf neue und spannende Ideen. Im Dirty Talk versuche ich nicht nur die rauchigen, gehauchten Stimmen zu verwenden, sondern auch mal klirrende, harte Stimmen. Ich mag dann Worte mit vielen Konsonanten und Klicklauten. Ich mag es mal zu zischen, oder zu brummen, oder auch mal die Stimme zu erheben. Es ist sehr wohltuend, mal den ganzen Körper mit seiner Stimme zu füllen.

Ich mag differenzierte Sprache, wenn man der Stimme am Timbre eine leichte Ironie und eine tiefverwurzelte Intensität anhört. Ich habe es noch nicht probiert, aber ich glaube, dass nicht nur ich Menschen mit meiner Stimme (und dem, was ich sage) zum Höhepunkt bringen kann, sondern auch umgekehrt.

Deswegen kann ich den Satz „Ich höre Stimmen!“ für mich sehr gelassen, und entspannt und auch ein bisschen erregt aussprechen.

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Autorin: Mademoiselle Ruby

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