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Weibliche Freier oder die Frau als Klientin

von Emma Steel

Immer mehr Kundinnen buchen Sessions bei mir. Das macht mich so glücklich!

Warum ist es eigentlich immer etwas ganz besonderes, wenn Frauen sich bei mir melden? Was sie sich wünschen, unterscheidet sich gar nicht von den Phantasien der Männer. Sie wollen ihre devote Ader ausleben, oder einen Fetisch genießen, oder Schmerzerfahrungen machen, oder sich in einem Rollenspiel mit mir verlieren. An ihre Grenzen gebracht werden. Und auch einfach gut kommen...

Auch sie vertrauen mir und sind respektvoll. Was ist der Unterschied?

Letzten Monat war eine sehr junge Frau bei mir im LUX, die am Telefon recht forsch wirkte und sehr genau wusste, was sie erleben wollte. Im persönlichen Vorgespräch war sie dann etwas unsicherer und sehr aufgeregt, ganz so, wie ich es liebe. Nennen wir sie n.

Und n machte etwas sehr richtig! Sie nannte präzise ein paar ihrer Wünsche und Phantasien und gleichzeitig gab sie mir charmant zu verstehen, dass das kein Bestellkatalog sei, sondern nur Anhaltspunkte für die große, teils unerforschte Landkarte ihrer Begehren. Sie ließ mich wissen, dass es Teil ihres Kopfkinos war, sich wirklich überraschen zu lassen. Und dass ich mich auf sie verlassen konnte- sie würde sich melden, falls etwas schräg sein sollte.

Also ein vielversprechender Anfang! Sehr oft bin in der Situation, dass eine Begegnung und ein erstes Gespräch Lust machen auf das, was dann in der Session passieren kann und von dem ich selber meistens noch gar nicht alles weiß, weil es sich aus der Situation ergeben wird.

Zuerst fixierte ich sie so auf der Bondageliege, dass ihr Kopf völlig bewegungsunfähig war und mir alle ihre Körperöffnungen zur Verfügung standen. Und dann ignorierte ich genau diese, und widmete mich anderen sensiblen Gegenden, bis sie endlich anfing zu betteln und zu flehen, sie doch endlich zu nehmen…

Das hatte ich so oder so ähnlich schon öfter inszeniert. Was war heute anders?

Es gibt so viele unterschiedliche Körper. So viele unterschiedliche Arten, sich als sexuelles Wesen zu definieren und neu zu erfinden. Männer werden zu Frauen, Frauen zu Männern, Menschen zu Tieren, oder zu Kreaturen ohne eindeutigem Geschlecht. Oder es geht gar nicht um solche Kategorien. Alles ist erlaubt, solange es Spaß macht oder die gewünschte Scham aufkommen lässt oder gut tut.

Während ich m eine Stunde lang zum Flüstern und Bitten und Betteln und kommen brachte, war ich einfach hingerissen.

Ich glaube, es war der große Respekt vor einer devoten, schmerzliebenden Person, die sich selbst genug liebt und achtet, um ab und zu Geld in die Hand zu nehmen und sich benutzen zu lassen, genauso, wie sie es gerne hat und ohne dafür eine Affäre oder Beziehung eingehen zu müssen.

Also doch alles wie immer!

Nein.

Anaïs Nin meint: "Wir sehen die Dinge nicht, wie sie sind. Wir sehen sie so, wie wir sind."

Und meine Sicht ist: Solange es nicht völlig selbstverständlich ist, dass Frauen sexuelle Dienstleistungen bei Profis in Anspruch nehmen, bin ich beeindruckt und begeistert und positiv voreingenommen. Und ich frage mich, warum ich eigentlich noch nie eine submissive Dame oder einen devoten Herren gebucht habe. Weil ich verwöhnt bin von meinen Klienten und Klientinnen? Ja, bin ich. Dennoch wird meine Rolle als Zahlende eine andere sein, und ich bin sehr gespannt, wie ich mich selbst bei diesem nächsten Abenteuer überrasche!

 

Autorin: Emma Steel

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