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Protestaktion gegen den „Hurenausweis“

von Johanna Weber

Massenanmeldung von LUXern auf den Namen Alice Schwarzer

Presseaktion des LUX gegen den Hurenausweis

Der Gynstuhl ist für 3 Stunden weg… So war unsere Polit-Aktion im internen Lux-Kalender eingetragen. Aber es war keine LUX-Aktion, sondern wir hatten über alle Sexarbeitsmailverteiler Berlins eingeladen zum Mitmachen.

Es waren echt viele Kolleginnen und Kollegen da. Erstaunlich viele.
Das halbe LUX war da.
Und auch die Presse war sehr zahlreich vertreten. So viele Menschen mit Schreibblöcken oder Mikrophonen und dazugehörende Menschen mit fetten Kameras habe ich selten auf einen Haufen gesehen. Da sieht man Mal wieder wie das Thema zieht.
Nun, was war unsere eigentliche Idee?

Es sollte eine Protestaktion gegen den „Hurenausweis“ sein.
Nein, so heißt dieses amtliche Dokument natürlich nicht, aber im Grunde könnte das Schriftstück so heißen, denn genau so stigmatisierend ist es.

Laut dem neuen ProstituierenSchutzGesetz erhalten alle Sexarbeitenden eine Meldebescheinigung, welche ihnen die Ausübung der Sexarbeit in dem jeweiligen Bundesland erlaubt.
Da dieses wundersame Schriftstück von der Bundesdruckerei stammt, exakt wie ein Ausweis aussieht und auch noch ein Passfoto beinhaltet, sprechen wir der Einfachheit halber vom Prostituiertenausweis.
Die ganze Registrierung soll zu unserem Schutz dienen. Ja, das ist kein Witz. Es geht ja nicht um die sogenannten „freiwilligen“ Prostituierten, sondern um die armen "Zwangsprostituierten". Diese sollen bei der Registrierung die Möglichkeit haben sich an die höchstwahrscheinlich komplett branchenfremden Beamten in der neu zu schaffenden Meldestelle zu wenden. Ja, wertkonservative CDU-Menschen gehen davon aus, dass sich echte Opfer vertrauensvoll an diese Beamten wenden werden und somit massenhaft Menschenhandel aufgedeckt wird.
Beratungsstellen, die mit Menschenhandelsopfern zu tun haben, warnen hingegen vor diesem Prozedere. Laut ihren Erfahrungswerten bedarf es 4-5 aufsuchende Beratungen an deren Arbeitsplatz bis sich eine betroffene Person öffnet. Juristisch kann die Registrierung sogar zum Hemmschuh werden, denn die von Menschenhandel betroffenen müssen zusätzlich noch erklären, warum sie denn bei der Registrierung nicht Beschied gesagt haben. So schlimm könne es dann ja wohl nicht sein….
Aber was soll´s. Sachlichkeit spielt ja bei solchen Gesetzen keine Rolle. Dass diese Dokument nicht unserer Sicherheit dient, sondern ein Zwangsouting ist, muss ich wohl nicht mehr erklären.

Kommen wir zurück zu unserer Aktion gegen den besagten Ausweis.
Wir wollten mit vielen bunten Plakaten uns um die Requisite des gynäkologischen Stuhls drappieren und schöne Pressefotos liefern.
Als Würze in der Suppe wollten wir uns alle auf den Namen „Alice Schwarzer“ anmelden.
Ja, zu unserem angeblichen Schutz dürfen wir einen Aliasnamen für den Ausweis nehmen. Das klingt wirklich toll, aber es bringt nichts, denn der Ausweis zeigt ja ein Passfoto von uns…
Also, wenn wir uns schon anmelden müssen, dann soll das wenigstens lustig sein. Wahrscheinlich werden im LUX ab nächstes Jahr diverse „Alice Schwarzer“ arbeiten :-)

Aber das ist noch Zukunftsmusik, denn in Berlin können wir uns noch gar nicht anmelden. Es gibt noch mehr Bundesländer, wo das auch nicht nicht geht, aber die haben immerhin ihre Flugfhäfen schon fertig :-)
Das Problem der nicht möglichen Anmeldung wird in Berlin ganz souverän gelöst, indem wir uns alle eine Ersatzbescheinigung holen müssen, wo drauf steht, dass wir versucht haben uns anzumelden.
Das ist kein Aprilscherz.
Dummerweise wird es aber recht schwierig mit einem solchen Dokument in anderen Bundesländern in Bordellen oder Studios tätig zu werden. Es gibt ja auch Bundesländer, die diese Meldeangelegenheiten schon fertig haben. Offiziell müssen sie auch diese komischen Bescheinigungen aus Berlin anerkennen, aber das wir in der Praxis so nicht funktionieren.
In der Praxis funktioniert vieles noch nicht.
So wurde einer Kollegin bei der Gesundheitsberatung in München erzählt, dass sie als Domina nach jeden Kunden alle Peitschen wegwerfen solle…..
Es haben sich angeblich schon 900 Personen in München angemeldet und noch kein Menschenhandelsopfer. Dazu sage ich jetzt nichts.

Hier nun das Presse-Echo zu unserer wirklich wunderbaren Aktion:

Berliner Morgenpost -> https://www.morgenpost.de/berlin/article212782077/Sexarbeiter-protestieren

BZ Berlin -> www.bz-berlin.de/berlin/tempelhof-schoeneberg/berliner-prostituierte-demonstrieren

die welt->  www.welt.de/vermischtes/article171411572/Was-Dominas-gegen-den-Huren-Ausweis-haben.html

taz-> www.taz.de

Neues Deutschland -> https://www.neues-deutschland.de/artikel/1072668.huren-protestieren

 

Autorin: Johanna Weber

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